Als vor ein paar Wochen die Meldung durch Deutschland ging, dass 150 Menschen bei einem Flugzeugabsturz gestorben waren, war die Stimmung in Deutschland gedrückt. Der Grund: Es waren vorallem Deutsche unter den Opfern gewesen.
Der Trauer wurde auf diverse Art und Weise Ausdruck verliehen, doch eine Seite stand dem entgegen. Ich möchte sie nicht näher bezeichnen, doch denke ich, kann ich mit Fug und Recht sagen, dass es eine eher linksorientierte Gruppierung ist.
„Wo bleibt der Gottesdienst für die Flüchtlinge im Mittelmeer und die Toten in Afrika?“ wurde gefragt, als man einen Gottesdienst zu Ehren der verstorbenen abhielt und diesen live im Fernsehen übertrug.

Echo Verleihung 2013: Die Band Frei.Wild gewinnt den Echo. Die Welt ist empört. Eine Band, die völkische Texte singt, mit einem solchen Preis auszustatten, sei skandalös. Künstler treten ihren Preis sogar ab. Menschen, die die Band hören, werden (im Netz) hart angeggangen. Als die Band 2014 wieder nominiert ist, brennen die entsprechenden Platformen erneut vor Wut darüber dass die Betreiber des Preises „nichts gelernt haben“.

8. März 2015: Tilo Jung teilt ein frauenverachtendes Bild am Weltfrauentag. Die Sexismusdebatte ist entfacht. Man fordert den Rauswurf des Journalisten, aus dem Projekt „Krautreporter“ und greift Leute, die sich für seine journalistische Arbeit aussprechen verbal an und bezeichnet sie als Sexisten und mehr. Tilo Jung wird nicht aus Krautreport ausgeschlossen, man empört sich noch mehr.

All diese Ereignisse vereint eine Sache: Ein unsichtbares Schiedsgericht, vor dem man sich rechtfertigen muss.
Rechtfertigen, warum man, um 150 gestorbene Deutsche mehr trauert, als um die Toten in Afrika.
Rechtfertigen, warum man eine Band mag, die völkische Texte singt, die kein einziges Stück auf dem Index hat und auch sonst nicht mit illegalen Aktivitäten bekannt wurde.
Rechtfertigen, warum man bei einem Musikpreis, der musikalische Leistungen würdigt, eben eine solche Band auszeichnet.
Rechtfertigen, warum man die Arbeit eines Journalisten gut findet und einem dabei egal ist, was dieser sich für einen derben Scherz oder missglückten Witz am Weltfrauentag geleistet hat.

Rechtfertigen vor einer unsichtbaren moralischen Instanz, die fest der Überzeugung ist, dass ihre Bedürfnisse und Empfindungen die Richtigen sind, dass jeder, der auf eine andere Art und Weise Mensch ist, zur Rechenschaft gezogen werden muss, seine Person und sein Tun verargumentieren muss. Vor ihnen, dem unsichtbaren Schiedsgericht.
Allgemein nennt man das auch egozentrisch. Die Bedürfnisse und Empfindungen anderer, werden ignoriert. Nur die eigenen, werden als Masstab angesetzt und das bei jedem, den man in die Finger bekommt. Man will ihm das Menschsein verbieten. Die Art zu Trauern, zu Feiern, zu Leben.

Ich mag weder Frei.Wild, noch hat mich der Flugzeugabsturz groß berührt. Die Arbeit von Tilo Jung mag ich. Aber das ist auch egal. Das waren nur Beispiele. Was nicht egal ist, ist wie Menschen sich als Moralinstanzen aufspielen und andere Anprangern, für das, was sie sind. Was gegen kein Gesetz verstößt und niemandem schadet, aber der eigenen Weltanschauung widerspricht und das scheint eines der größten Verbrechen für manch einen zu sein, der sich dabei selbst als aufgeschlossen und weltoffen bezeichnet.

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