Archive für Kategorie: Erlebnisse und Gedanken

Heute waren mehr als 250.000 Leute in Berlin gegen TTIP auf der Straße. Tja und das sind alles Nazis. Nicht gewusst? Dann hättet ihr mal besser den Spiegel gelesen, der hat das nämlich mal aufgedeckt maximalen Unsinn geschrieben.

Ich hatte hier schonmal irgendwo den nun folgenden Gedanken angeführt, wollte das hier aber gerne nocheinmal etwas ausführen.

Es gibt ja (gerade von Politikerseiten her) sehr gerne das Argument in Verbindung mit der Vorratsdatenspeicherung (VDS), dass man ja auch alle seine Daten an US Konzerne wie Facebook, Google und Co abgäbe. Und diese Daten lägen da für immer und ewig und bei den Telkos nur 6 Monate und man könne sie nur mit richterlichem Beschluss einsehen, während die bösen US-Firmen alles damit machen können und deshalb sei es paradox gegen die VDS zu sein.

Oberflächlich betrachtet, ergibt das sogar irgendwie Sinn: Man ist dagegen, dass seine Daten gespeichert werden und gleichzeitig gibt man sie preis, während dort noch viel mehr mit den Daten gemacht wird? Der vollständigkeit halber sei angemerkt, dass ich hier jetzt davon ausgehe, dass die VDS wirklich nur für die angegebene Zeit die Daten vorliegen hat und diese nicht auch noch weiterverkauft werden – wissen kann ich das ja nicht. Genau so kann ich natürlich auch nicht wissen, ob die Angaben in einer AGB stimmen oder nicht doch noch etwas anderes mit meinen Daten gemacht wird.

Davon ausgehend, dass also jeder die Wahrheit sagt, gibt es einen gravierenden Unterschied: Wenn ich mich bei Facebook anmelde, dann gibt es eine AGB. Die bestätige ich. Lese ich sie auch? Nun, ich schon, ob ihr sie gelesen habt, weiß ich nicht. Aber ihr könnt sie jederzeit lesen. Hier ist der Link. Da steht alles drin. Von den erfassten Daten bis hin zum Umgang mit diesen und wie ihr euch auf Facebook zu verhalten habt. Ihr wisst also zu jeder Zeit, worauf ihr euch einlasst. Ihr wisst, was es bedeutet, ein Foto eures Kindes dort zu posten oder eures Autos mit KFZ Kennzeichen. Ja klar, theoretisch. Aber wenn ihr die AGBs nicht lest, seid ihr selbst schuld. Dafür gibt es aber dann auch noch jede Menge Leute, die Aufklärung darüber betreiben, wie Facebook agiert und man muss glaube ich schon stark hinterm Mond leben, wenn man da nicht mitbekommt, auf was man sich einlässt.

Wenn einem das also alles nicht mehr zusagt, dann kann man sein Facebookkonto auf Eis legen und die Sache is vorbei. Facebook ist hier jetzt mal exemplarisch für jeden Onlinedienst, bei dem man sich einen Account klicken kann. Aber auch bei Diensten wie Google verhält es sich gleich. Ich spreche jetzt nicht von einem Googlemailaccount oder ähnlichem, sondern von der Suchmaschine. „Aber da habe ich doch nie einer AGB zugestimmt“, werdet ihr jetzt sagen. Doch, habt ihr. In dem Moment, in dem ihr einen Suchbegriff dort eingegebe habt. Das nennt man „konkludentes Handeln“. Wenn ihr einen Laden betretet, dann habt ihr euch automatisch mit der Hausordnung dort einverstanden erklärt. Diese hängt deswegen auch öffentlich einsehbar am Eingang aus (sollte sie zumindest). So kann ich sie lesen und wenn da etwas steht, was mir nicht gefällt, dann gehe ich halt nicht in den Laden. Genau so ist es bei Google. Gehe ich auf google.de Finde ich die Datenschutzerklärung und die Nutzungsbedingung unten rechts verlinkt. Diese kann ich lesen, bevor ich den Dienst benutze. Wen das jetzt noch etwas weiter interessiert: Es ist sogar so, dass hier in dem Fall Google noch nichts machen darf, was über die normale Erfassung von Verbindungsdaten hinausgeht (also IP Adresse in das Logfile des Webservers schreiben, etc.), weil mir die Möglichkeit gegeben werden muss, die Datenschutzerklärung zu finden und zu lesen, ohne schon getrackt o.ä. zu werden.

Wenn ich also bei Google einen Suchbegriff eingebe, sage ich damit „ich habe die Nutzungs- und Datenschutzbedingungen gelesen und erkläre mich damit einverstanden“. Man betritt also den „Laden Google“. So funktioniert unser Gesetz und so funktioniert Aufklärung über die eigenen Rechte und den Umgang mit den hinterlassenen Daten an verschiedenen Stellen.

Und nun die alles entscheidende Frage: Wo ist meine AGB zur VDS? Ja, klar der Gesetzentwurf bzw. dann das ratifizierte Gesetz ist öffentlich einsehbar. Also könnte man sagen, es ist konkludentes Handeln, wenn ich in Deutschland in’s Internet gehe, weil ich ja weiß, worauf ich mich einlasse. Gut, den Punkt lasse ich dann sogar durchgehen, aber wie verhindere ich das dann? Wie nutze ich das Internet, ohne Überwacht zu werden? Richtig: Gar nicht. Ich kann das Internet nicht mehr benutzen, ich kann kein Mobiltelefon besitzen und auch niemanden anrufen. Sprich: Ich kann kein Leben führen, wie es in unserer Gesellschaft vorgesehen ist. Versucht doch mal ohne Internet und Telefon zu überleben. Und das meine ich jetzt durchaus ernst. Wie rufe ich den Notarzt? Wie kann ich Businesskommunikation erledigen? Es ist schlichtweg nicht möglich. Ein Leben ohne irgend einen onlinedienst ist möglich. Ich brauche kein Facebook, kein Googlemail, kein Twitter und auch kein Google. Wenn doch, dann solltet ihr euch vielleicht mal fragen, was da genau falsch gelaufen ist 😉

Der Vergleich von Onlinediensten und der VDS ist also der berühmte Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Es hat nämlich absolut nichts miteinander zu tun. Während ich beim einen nachlesen kann, was mit meinen Daten geschieht, kann ich das beim anderen nicht. Aber viel wichtiger: Ich kann es nicht verhindern. Ich kann nicht einfach wie bei Google „nicht die VDS benutzen“. Denn das hieße, kein Internet und kein Telefon zu besitzen und zu benutzen. Das ist ein keine Wahl, sondern ein Zwang, denn man kann ohne diese Dinge nicht leben und somit zwingt einem der Staat eine Überwachung auf. Das ist für mich nichts anderes, als wenn Néstle das Wasser privatisieren will: Ausnutzung der Notwendigkeit eines Guts und deshalb Bedingungen an dessen Verwendung knüpfen, derer man sich nicht entziehen kann, ohne ein menschenwürdiges Leben führen zu können.

Kennt ihr Heidi Mund? Das war die Frau, die den ersten Pegida Ableger in Frankfurt gegründet hat. Außerdem ist sie für so Aktionen wie der Segnung der „Hogesa“ bekannt. Des weiteren hat sie einen Muezzin im Rahmen einer Friedensaktion auch aus der Gedächtniskirche Speyer vertrieben. Diese und weitere Aktionen haben der Frau den Titel „The Brave German Woman“ eingebracht. Und es stimmt. Die Frau ist wirklich „tapfer“. Jeder andere Mensch hätte sich schon längst selbst einweisen lassen, bei dem Unsinn, den die Dame von sich gibt. Nicht aber Frau Mund. Im Gegenteil. Sie hat neue Ideen. Achso. Ne. Gott hat ja die Ideen und teilt ihr diese nur mit:

Entsprechend einer Vision, die Gott mir, Heidi Mund, in den letzten Jahren 2 mal gegeben hat, rufe ich Euch alle auf, am 3. und 4. Oktober 2015 an die Bundesgrenze von Deutschland zu kommen und mit uns für Deutschland und Europa zu beten! In der Vision sah ich eine Menschenkette, die Hand in Hand an der Grenze betet.

Eine Menschenkette, an den Grenzen Europas? Wow. Kein leichtes unterfangen. Wer Lust hat, kann ja mal ausrechnen, wie viel Leute man dafür bräuchte. Aber zurück zum göttlichen Vorhaben, der verkannten Visionärin: Dass sie nicht für die Flüchtlinge beten will, dürfte euch schon klar gewesen sein. Wofür denn dann?

Wir wollen und dürfen nicht länger auf eine gelegenere Zeit warten. Die Zeit ist JETZT! Wir stehen auf und übernehmen Verantwortung für unsere Länder. Viele haben vor uns gearbeitet. Wir treten in ihre Fußspuren ein. Wir zerbrechen die Jochs, widerstehen den Mächten der Finsternis und setzen den Segen Gottes frei. WIR sind SEINE Kinder, WIR haben Autorität bekommen und WIR nehmen sie.

Lasst uns zusammen stehen. Wir sind die Familie des lebendigen Gottes. Lasst uns gemeinsam Geschichte schreiben. Wir warten nicht mehr länger…

Es ist Zeit, dass der HERR regiert.

Ja ok. Wir haben es ja verstanden: Man muss endlich handeln! Etwas tun! Aufstehen! Aber für was denn nun? Ich springe übrigens gerade etwas in der Reihenfolge der Zitate, was an der Reputation und der Strukturiertheit der Aussagen liegt.

Stell Dir eine betende Menschenkette an der Grenze Deutschlands vor, Tausende von Menschen, die mit einer Stimme für den Erweckungsdurchbruch in Deutschland und Europa beten! Wir wollen unser Land für Jesus Christus gerettet sehen.

„Unser Land für Christus gerettet“. War es nicht so, dass Christus uns eigentlich mal retten sollte? Jetzt müssen wir schon die ganze Arbeit machen. Aber jetzt verrate mir doch endlich mal, liebe Frau Mund: Wovor denn? Vor Rassismus? Vor inkompetenten Politikern? vor Armut? Oder vielleicht doch eher vor unchristlichen Ausländern, die vielleicht in unser Europa kommen könnten?

Wir rufen auch unsere Nachbarn: Die Niederlande, Dänemark, Großbritanien, Polen, Österreich, die Schweiz, Frankreich, … Schließt Euch uns an!

Brüder und Schwestern aus anderen Kontinenten – auch Ihr seid eingeladen! Wir freuen uns, wenn ihr an diesen Tagen ebenfalls dabei seid.

Mhm. Klingt doch toll. Alle Nachbarländer und alle Kontinente. Vielleicht ist die Frau durch eine göttliche Eingebung geläutert worden? Ich habe mal nachgefragt:

mund

Bis ich eine Antwort erhalte, könnt ihr euch die großartige Website ja mal noch anschauen. Besonders Subpage 4 ist spannend.

Ich versuche ja schon seit einer Weile die Argumente der „Ehe für Alle“ – Gegner zu verstehen. Jetzt hat ein Penisclub (ok, eine Frau ist dabei) von CDU Abgeordneten mal einen offenen Brief (Link geht zum PDF) an die Mitglieder der CDU Berlin geschrieben, in dem also die Argumente aufgezählt werden. Ich hab‘ mir das mal durchgelesen und muss euch an einigen Dingen einfach Teil haben lassen. 1 Mit anderen Worten: „Das war schon immer so – dann bleibt das auch so!“ Nicht im Ansatz ein Argument, denn Tradition kann niemals ein Argument sein. Der Brief ist dann in kleine Abschnitte unterteilt, deren Inhalt immer in einer kurzen Überschrift zusammengefasst wird. Zum Beispiel: Öffnung der „Ehe für Alle“ ist Eingriff in die Werteordnung Ist eine Änderung eines Gesetzes nicht immer ein Eingriff in eine bis dato bestehende Werteordnung? Ich wollte es gerade recherchieren, was man denn genau unter einer Werteordnung versteht, als ich auf folgenden Satz in der Wikipedia stieß:

Enthält eine Werteordnung einen alleinigen Anspruch auf Wahrheit, ist sie das Kennzeichen einer Ideologie.

Nun gut, dann hätten wir das auch geklärt. 2 Ich lese „Wir tollerieren nicht nur alle Lebensweisen. Wir respektieren Sie. [….] Aber..“. Also ich hab‘ ja nichts gegen Schwule, aber… Lassen wir uns auf diese Argumentation trotzdem mal ein: Die Argumentation im gesamten Abschnitt ist: Die haben doch schon eine eingetragene Lebenspartnerschaft, was wollen die jetzt noch heiraten? Gute Frage. Warum will man denn noch heiraten, wenn man diese Lebenspartnerschaft hat? Das muss mir doch einer der verheirateten CDU Männer hier erklären können. Die größere Frage ist: Warum sollen Schwule und Lesben es NICHT dürfen, während alle anderen das dürfen? Ist natürlich alles eine Frage der Formulierung: Warum will man denn nach einer Lebenspartnerschaft noch heiraten vs. Warum darf man nicht? Nun mein Lieblingsabschnitt: Ideal der Ehe als Hort für Kinder erhalten

Das historisch gewachsene Ideal der Ehe als gesellschaftliche Zielvorstellung muss dennoch erhalten bleiben.

Und schon wieder: „Das haben wir schon immer so gemacht – dann bleibt das auch so“. Kann man diese Argumentation nicht mal bei der VDS anwenden? „Das historisch gewachsene Ideal der Privatssphäre und der freien Entfaltung der Persönlichkeit, als gesellschaftliche Zielvorstellung muss dennoch erhalten bleiben“. Gut, wenn man es genau nimmt, steht das sogar in unserem Grundgesetz, aber da geht es ja um Terror. Ist aber jetzt auch ein anderes Thema. Weiter im Text: 3 Das verstehe ich nicht. Ok, ist klar. Die Ehe besteht aus Mann und Frau und nur diese können für das Wohl des Kindes sorgen. Abgesehen davon, dass das nicht stimmt, ist das schon wieder ein „das war schon immer so – das bleibt auch so“ – Argument. Was ich jetzt aber am Wenigsten versthe, ist der Satz

Nur weil eine Ehe kinderlos bleibt oder in die Brüche geht, fordert niemand die Abschaffung der Ehe

Bitte was? Soll das nun heißen, die „Ehe für Alle“ sei gleichbedeutend, mit der Abschaffung der Ehe? Worauf will man denn hier hinaus?

Natürlich wissen wir, dass es in unserer heutigen Lebenswirklichkeit andere Formen der Partnerschaft gibt, in denen Kinder glücklich aufwachsen.

Ja was jetzt. Wachsen jetzt Kinder nur in Geborgenheit bei Mann und Frau auf oder doch nicht? Das widerspricht doch obigem Argument. Klar will man hier zeigen, wie weltoffen man doch eigentlich ist, aber irgendwie entkräftet das auch gleichzeitig, was im Absatz davor steht. Es geht weiter:

Nicht nur im Moment der Zeugung benötigen Kinder Vater und Mutter, sondern auch beim Aufwachsen

Jetzt bin ich ganz raus. Also Kinder wachsen nur geborgen bei Vater und Mutter auf, aber es gibt auch glückliche Kinder in „anderen Partnerschaften“, aber sie brauchen Vater und Mutter. Meint man mit „anderen Partnerschaften“ vielleicht unverheiratete Eltern oder geschiedene? Ja, das wird es sein. Verstehe. Also man sagt faktisch: Das Beste für das Kind sind verheiratete verschiedengeschlechtliche Eltern. Nicht so gut, aber immer noch okay sind geschiedene oder unverheiratete Eltern und was gar nicht geht, sind gleichgeschlechtliche. Im Gegensatz zu den Herren (und der Dame) habe ich hier eine Quelle angegeben, die das Gegenteil beweist. Eine wissenschaftliche Studie. Ich würde gerne mal wissen, woher die CDUler ihr Wissen nehmen. Zum Schluss noch der beste Part. Die Ehe hat sich als Gemeinschaft von Mann und Frau bewährt Sagt mal: Kommt da auch noch ein anderes Argument. Das ist jetzt gefühlt das Zehnte Mal, das ich in diesem Text „Das war schon immer so“ als Argument lese – nur eben anders formuliert. 4 Das ist Großartig! Das Argument ist wieder: „Das ist so weit verbreitet“. Erlaubt man nur Dinge, die weit verbreitet sind? Ist es nicht Sinn von Gleichberechtigung, Minderheiten zu beachten? Man sagt doch hier faktisch: „Nein, wir wollen das nicht, weil die meisten Leute ja als Mann und Frau verheiratet sind und Kinder haben“ – Ach ne. Geht ja auch nicht anders! Aber der prozentuale Anteil jetzt ist spitze: 51% aller Familien in Berlin haben dieses Konzept übernommen. 51%. Wow. Ein siegreicher Wahlausgang sieht anders aus. Anders formuliert: „Fast die Hälfte aller Familien in Berlin halten NICHT an diesem Konzept fest“. Ist halt alles eine Frage der Auslegungssache. Können die Herren (und die Dame) echt froh sein, dass die Zahl noch über 50 lag. Übrigens vermisse ich hier auch eine Quellenangabe für diese Behauptung. Aber das braucht man vermutlich nicht, wenn man mit „alten Werten“ argumentiert. 5 Ja. Stimmt. Deshalb wollen homosexuelle Paare eben dieses Privileg auch haben. Wo ist da jetzt der tiefere Punkt dagegen? Fazit: Eigentlich hat man nur ein Argument und das wird immer wiedergekäut in anderer rhetorischer Verpackung „Das war schon immer so, das hat sich bewahrheitet und das muss so bleiben“. Fakten hat man gar keine, nur Bauchgefühle und „Werte“. Wer damit Politik macht und Gesetze durchwinkt, bzw. entscheidet, der ist eine Gefahr für die Demokratie. Ich habe es wirklich versucht, aber ich muss leider bestätigen, was mein Bauchgefühl mir bereits verriet: Die Herren (und die Dame) von der CDU reden Unsinn. Großen Unsinn.

Mir steht gerade so ein wenig die Galle im Hals. Die neuesten Ermittlungsergebnisse berichten, dass der Co-Pilot den Sinkflug bewusst eingeleitet habe. Und nun gibt es Menschen, da draußen, die von Selbstmord sprechen und damit Massenmord implizieren, denn der Co-Pilot wusste, dass er Menschen im Flugzeug hatte.

Das ist Selbstjustiz. Die Ermittler stecken seit nicht mal 2 Tagen in einem Ermittlungsverfahren. Es gibt kaum Fakten. Der Fakt, der sicher nicht gegeben ist, ist der, dass der Co-Pilot Suizid begangen hat. Ich will damit nicht sagen, dass es abwägig wäre, zumal der Umstand, dass der Pilot ausgeschlossen war, das Ganze noch merkwürdiger macht, aber wie gesagt: Man unterstellt hier einen Massenmord bei laufenden Ermittlungen. Das ist Selbstjustiz und das widert mich an. Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind und sich rausstellt, dass das so war, dann kann man entsprechend reagieren, wer das jetzt tut macht sich selbst zum Ermittler, Staatsanwalt und im Zweifelsfall sogar Richter.

Ich bin Metadiskussionen so leid. Nennt man es jetzt Linux oder GNU/Linux? Sagt man „freie Software“ oder „Open Source“? Ist Feminismus ein guter Begriff oder sollte man es nicht lieber Humanismus nennen?

All diese Diskussionen und weitere haben genau eine Sache gemeinsam: Sie spalten die, die eigentlich der gleichen Meinung sind. Anstatt darüber zu streiten, ob man Humanist, Feminist, Menschenrechtler oder was auch immer ist, sollte man die Energie, die man in diese Diskussion investiert lieber nehmen und in das gemeinsame Ziel stecken. Dann das ist es ja: man hat ein gemeinsames Ziel. Doch anstatt dieses zu fördern, trägt man Kleinkriege aus und spaltet am Ende die Lager. Scheiß egal wie ihr euch nennt, euer Handeln ist das, was zählt. Wenn euch Leute abschätzig behandeln, weil ihr euch zu einer Gruppierung zuordnet, dann hättet ihr die Leute sowieso nie überzeugen können, weil diese schon von vornerein eine Abneigung gegen eure Haltung gehegt haben. Ob nun zu Recht oder zu Unrecht. Wenn jemand wirklich an eurer Meinung interessiert ist, dann wird er nachfragen, selbst wenn ein Begriff erst mal ablehnende Reaktionen bei ihm auslöst und dann wird er vielleicht feststellen, dass ihr doch beide auf der Selben Seite seid.

Also streitet nicht über Linux und GNU/Linux – nutzt es einfach, anstatt einer undurchsichtigen Überwachungssoftware wie Windows. Und ob nun freie Software oder Open Source. Hauptsache, ihr könnt reinschauen und halbwegs sicher sein, dass euch damit niemand schaden will. Und ob nun Feminist oder Humanist – helft zusammen, dass alle Menschen gleichberechtigt sind. Und wenn das Geschafft ist. Irgendwann. Dann könnt ihr darüber streiten, ob der Name überhaupt noch gut ist, oder nicht.

Die BILD Zeitung hetzt, der Blogger betreibt Zensur in seinen Kommentaren und die Medien schreiben Propaganda. Diese und andere Polemik kommt mir irgendwie jeden Tag unter. Und jedesmal kann ich mich eines Schmunzelns nicht erwehren.

Vermeintliche Polemik zu kritisieren, indem man Polemik einsetzt kann ja nur so albern rüberkommen, wie es ist. Polemik ist ein ziemlich erbärmliches Mittel der Rhetorik, wie ich finde. Sie wird eingesetzt, wenn der andere keine wirklichen Argumente hat. Denn das schöne an der Polemik ist ja: Niemand würde das gut heißen, was der andere gerade in den Raum wirft. Wenn also von „Hetze“ die Rede ist, dann kannst du gar nicht mehr Partei für die, denen diese Hetze nachgesagt wurde, ergreifen, denn dann würdest du ja Hetze verteidigen. Ergo ist die Diskussion damit beendet.

Der Punkt ist nur, dass es sich im seltensten Fall (um beim Beispiel zu bleiben) um Hetze handelt. Schauen wir dazu doch mal, was der Duden zu Hetze sagt.

(abwertend) Gesamtheit unsachlicher, gehässiger, verleumderischer, verunglimpfender Äußerungen und Handlungen, die Hassgefühle, feindselige Stimmungen und Emotionen gegen jemanden, etwas erzeugen

Ha! Siehst du? „Äußerungen und Handlungen, die […] feindselige Stimmungen und Emotionen gegen jemanden, etwas erzeugen“. Wenn die BILD Zeitung schreibt „die Griechen wollen unser Geld“ (fiktive Schlagzeile), dann erzeugt das feindselige Stimmung und Emotionen – ist also doch Hetze!

Eben nicht. Der große Fehler, der leider immer wieder begangen wird ist der, dass die Bedeutung eines Wortes nur auf einen Teil heruntergebrochen wird. Es gehört aber alles zur Definition eines Wortes dazu und da wurde hier der ganz wichtige Teil vergessen:
„(abwertend) Gesamtheit unsachlicher, gehässiger, verleumderischer, verunglimpfender„. Hier ist nichts unsachlich oder gar verleumderisches zu finden. Es ist ein Fakt, dass „die Griechen“ „unser Geld“ wollen. Eine Hetze wäre, würde eine Zeigung titeln „Die Griechen wollen in deutschen Banken einmarschieren“. Das ist schlicht eine Lüge und dadurch wird Stimmung geschürt und das nennt man dann Hetze. Alles andere ist eine Tatsachenbehauptung oder eben eine Meinung. So wie auch diese Aktion hier:

Auch hier handelt es sich um eine Meinungsbekundung und keine Hetze. Wenn das Hetze wäre, dann wäre jede Demonstration eine Hetze.
„Nein! Kein Handelsabkommen mit den USA“ oder „Stoppt die Atomenergie“. Schlimme Hetze, nicht?
Abschließend sei noch dieser Artikel aus der Vice empfohlen.
Highlight:

Das Problem, das die Autoren dieses Textes nicht verstehen, ist: Das Strafrecht ist kein Mittel der politischen Auseinandersetzung. Das Strafrecht ist immer nur ultima ratio. Wo kämen wir denn auch hin, wenn pointierte Berichterstattung mit den Mitteln des Strafrechts verfolgt werden würde?

Auch bei meinen anderen Beispielen verhält es sich ähnlich. Es ist keine Zensur, wenn ich einen Kommentar unter diesem Text nicht freischalte. Das ist Moderation. Du kannst aber jederzeit auf deinem Blog, auf Twitter, Facebook, Google+ und wasweißich wo deine Meinung über mich und diesen scheiß Text hier kundtun. Solange du das kannst, ist das keine Zensur. Genauer gesagt: Solange du dich über die vermeintliche Zensur auslassen kannst, ist es vermutlich auch keine und du machst dich eher lächerlich.

Es ist auch keine Propaganda, wenn die Berichterstattung allgemein gerade eher negativ zu den Griechen eingestellt ist. Es ist einfach eine Meinung, die dir gerade nicht in den Kram passt. Es ist nämlich ein weit verbreiteter Irrtum, dass Journalisten nur Berichterstattung betreiben dürften und keine Meinung äußern. Das ist hahnebüchender Unsinn und wenn die großen Blätter in Deutschland gerade der Meinug sind, dass die neue griechische Regierung doof ist, dann ist das weder Hetze, noch Propaganda, noch irgendwas, sondern dann ist das eine Meinung.

An dieser Stelle sei auch mal das Buch „Propaganda – the Art of Public Relations“ empfohlen, was sich mit diesem Thema recht gut auseinander setzt. Klar, sind die Übergange fließend, doch deshalb auch mein Apell an dieser Stelle: Wenn man schnell zu solchen Worten tendiert, dann ist das polemisch. Abgesehen davon, dass Polemik ein Teil der Propaganda ist und das ganze damit ad Absurdum führt, will man es doch besser machen, als die, die man kritisiert. Und deshalb sollte man vielleicht einfach mal vorsichtig mit seiner Wortwahl sein und nicht immer gleich das Wort wählen, was am Stärksten klingt.

Die Bedeutung eines Wortes ist erst erfüllt, wenn auch immer alle Teile der Definition zutreffen und nicht nur der Teil, der einem gerade in den Kram passt. Und wenn das nicht zutrifft, vielleicht einfach mal ein Wort wählen, was nicht ganz so beeindruckend klingt, dafür aber wenigstens auch passt.

Dass ich nicht an Gott glaube und auch keiner Religion angehöre, sollte keinen überraschen. Überraschend ist für viele allerdings immer wieder, dass ich mich nicht nur nicht als Atheist bezeichne, sondern diesen sogar ziemlich bescheuert finde. Doch wie komme ich dazu?
Ich beschreibe hier jetzt vorallem Eindrücke, die ich über lange Zeit gewonnen habe. Ob das der Grunddeffinition von Atheismus entspricht oder ob das jemand für sich ganz anders definiert, weiß ich nicht.

1. Atheisten halten sich für etwas besseres.
Diesen Eindruck gewinne ich immer wieder. Ein Atheist ist ja intelektuell. Der ist nicht so einfältig, wie ein Gläubiger. Der Atheist lässt sich nicht Irre führen. Das führt einerseits zu einer merkwürdigen Diskussionskultur, in der gläubige Menschen fast schon bemitleidenswert behandelt werden. Ja, fast schon wie mit einem kleinen Kind, wird manchmal mit solchen Leuten diskutiert. Immerhin hat man da ja auch jemanden vor sich, der an fiktive Wesen glaubt und diese Anbetet, wie soll man den denn ernst nehmen?
Das führt ganz unweigerlich zu Punkt 2:

2. Radikale Position von Atheisten oder Atheisten stellen ihre Position selten in Frage
Dadurch dass sich Atheisten gegen Religion aussprechen, sprechen sie sich natürlich auch gegen jede Kirche aus. Kindesmissbrauch, die jüngste Äußerung des Papstes, Beschneidung oder die Kreuzzüge, machen das auch nicht sonderlich schwer. Man findet viel, was gegen die entsprechende Organisation spricht.
Doch Religionen lehren auch viele Dinge, die humanistisch sind und absolut vernünftig. Nächstenliebe, Schwachen zu helfen, Verbundenheit um nur ein paar zu nennen. Ob das immer alles so konsequent ist, lässt sich sicherlich diskutieren, aber die Frage ist ja: Wie genau sieht der Gläubige das?
Nur weil der Papst sagt, man soll Kinder schlagen, heißt das nicht, dass der Gläubige, mit dem du gerade redest, diese Ansicht teilt. Vielleicht verurteilt er sie sogar auf’s Schärfste? Vielleicht ist er für die Hochzeit von Homosexuellen? Vielleicht will er Frauen als Priester? Das alles ist nicht selten und doch erlebe ich seltenst, dass ein Atheist das hinterfragt. Sobald er hört, dass der andere Gläubig ist, glaubt er genau zu wissen, mit wem er es zu tun hat und genau das zeugt von einer absoluten Unwissenheit.
Und das führt mich zu Punkt 3:

3. Atheisten sind unwissend
Viele der Atheisten haben sich nie mit der Kirche oder auch der zugehörigen Religion beschäftigt. Die katholische Kirche will keinen Sex vor der Ehe und misshandelt Kinder. Der Islam ist die altmodischste aller Religionen und verbreitet Terror, das Judentum beschneidet Kinder und feiert kein Weihnachten und Buddhisten glauben an die Wiedergeburt und meditieren den halben Tag.
Ziemlich so ist das Bild vieler Religionen (und bei einigen Religionen auch bei mir). Doch das stimmt nicht. Das ist oberflächlich und stumpf.
Ich kann nicht sagen, dass ich mich keiner Religion anschließen will, denn die oben genannten sind auch nur die Weltreligionen und alleine über die weiß ich kaum etwas. Und dann gibt es da noch die viel kleineren Religionen. Religionen ohne Götter, die sich der Ehrung der Natur widmen und ähnliches. Wie kann ich mich vor etwas verschließen, von dem ich keine Ahnung habe und gleichzeitig die Einfältigkeit von Leuten, die das tun kritisieren? Für mich ein sehr albernes Paradoxon.

4. Atheismus ist eine Kampfansage
Wie oben schon beschrieben, verschließen sich Atheisten vor Religion und Gott und dadurch sehr häufig auch vor deren Anhänger. Das äußert sich in Bekehrungsversuchen, der oben erwähnten herablässigen Art, im Umgang mit gläubigen Menschen und teilweise in Beleidigungen. Die Gründe dafür habe ich oben auch schon aufgeführt, aber das wichtige daran ist, dass ich keiner Kampfansage angehören möchte. Ich möchte nicht gegen Menschen kämpfen und auch nicht gegen ihre Überzeugung. Ich kann sie mir anhören, ich kann mit den Leuten diskutieren, ich kann ihren Standpunkt albern finden, aber ich will den Leuten diese Überzeugung nicht streitig machen. Sie sollen glauben, was sie wollen. Aber: Sie sollen auch mich in Ruhe lassen. Denn genau so, wie ich jeden Glauben respektiere und das Ansehen desjenigen dadurch weder steigt, noch sinkt, soll auch mich jeder Gläubige so behandeln: als Individuum, das nicht bekehrt werden muss.

Ich bin nicht gläubig. Für mich gibt es keinen Gott. Aber für mich gibt es einen Umgang mit Menschen und den sehe ich in der Einstellung des Atheismus‘ nicht gefördert. Deswegen ist mir einfach egal, woran ein Mensch glaubt, solange er sonst in Ordnung ist.

Post scritptum: Diese dogmatische Einstellung der Atheisten, die ich beschreibe könnte man im Umkehrschluss schon wieder als Religion bezeichnen, aber das habe ich mir an dieser Stelle einfach mal gespart.

Immer wieder stoße ich ja auf Smartphone „Gegner“. Und irgendwie tun mir diese Leute ja leid. Versteht mich nicht falsch. Jeder darf Leben, wie er will – mit oder ohne Smartphone. Doch gibt es meiner Meinung nach viele Gründe, die für die erstere Variante sprechen.

Aber der Reihe nach. Welche Gründe haben die Leute, sich eines Smartphones zu verweigern?

Ich bin immer erreichbar
Bist du mit einem altmodischen Handy erst mal auch. Aber auch das kannst du abstellen. Du entscheidest, wie auf welchen Wegen du erreichbar bist. Komplett in den Flugmodus, also alle Dienste offline oder nur das Mailprogramm, den Chat offline. Du kannst das festlegen und es liegt an dir, wer dich nerven kann. Abgesehen davon liegt es nat. auch in deiner Verantwortung, wem du deine E-Mail Adresse, deine Handynummer gibst.

Die Aluhut Fraktion
Das ist keines Falls abwertend gemeint, denn angesichts der NSA Enthüllungen, Vorratsdatenspeicherung und des Gschäftsmodells von z.Bsp. Google, überlegt man es sich schon zweimal, eine Tracking Wanze in seiner Hosentasche mit sich herumzutragen, die alle Daten zu Google synchronisiert.
Nun, wäre das die einzige Möglichkeit, ein Smartphone mit sich herumzutragen, so hätte ich gewiss auch keines.
Doch ich habe eins. Zuerst spielt man sich Cyanogenmod auf das Gerät, dann ist man das Google – schnüffelnde Default Android los. Die Googledienste sind damit auch gleich pasé. Die spionieren einen schon einmal nicht mehr aus. GPS macht man natürlich auch aus und Wlan Autoconnect ist auch eine eher schlechte Idee. Ab diesem Zeitpunkt ist das Smartphone nichts anderes, als der PC zuhause. Mann kann dich immer noch im Internet Tracken, die NSA liest immer noch deine E-Mails und die SMS natürlich auch. Aber das ist auf dem heimischen Rechner genau so. Doch auch hier kann man Abhilfe schaffen, wie man es Zuahse auch tun sollte. Man kann Firefox mit Anti-Tracking Extensions installieren, PGP verschlüsselte Mails schreiben, Verschlüsselte SMS (mit z.Bsp. Textsecure), OpenVPN und sogar Tor kann man auf dem Smartphone installieren. Und ab diesem Punkt, ist das Smartphone ein nützlicher Gegenstand. Genau wie der Rechner zuhause. Man wird überwacht, aber nicht mehr, als sowieso schon. Man hat aber ein unglaublich nützliches Gerät in der Hosentasche (die Vorteile muss ich ja hoffentlich nicht aufzählen).
Der letzte Schritt ist nat. (wie auch auf dem Rechner), dafür zu sorgen, dass man sich keine merkwürdige Software installiert. Die Taschenlampen App, die den Standort abfragen möchte, gehört sicherlich zu dieser Kategorie.

Die „Früher war alles besser“ Fraktion
Meine Lieblingsfraktion: Die Konservativen. Schau sich einer die Jugend von heute an. Sitzen in der U-Bahn und schauen nur noch in ihre Smartphones – keine soziale Interaktion mehr!

Direktlink via

Wie das Bild dezent andeuten soll: Das war nie wirklich anders. Der Hauptpunkt ist aber: Das kann nur jemand sagen, der keine Ahnung von Smartphones hat. Wenn derjenige wüsste, wie viel soziale Interaktion in diesem Moment stattfindet, wäre er vermutlich baff.
Chatten mit Freunden auf der ganzen Welt, Videotelefonie, Leute im Internet kennenlernen – das ist alltäglich mit einem solchen Gerät. Zeitung/News lesen macht man heute auch damit, es ist halt nur nicht mehr der althergebrachte Weg.
Natürlich gibt es auch Apps für das Gerät. Sinnlose Spiele. Ballerspiele. Ja – gibt es. Es gibt aber auch die BILD Zeitung, die BUNTE, den Playboy. Deswegen ist Zeitung lesen, doch nicht schlecht, nur weil du der Ansicht bist, dass diese Art des Mediums nicht richtig ist, denn immerhin ist Quizduell eine der meistverkauftesten Apps für Smartphones. Eine Quiz App. Mit Fragen zum Allgemeinwissen, die man Gegeneinander (soziale Interaktion!) spielen kann. Und wer lieber Ballerspiele spielt, kann auch das tun, denn wer die BILD liest, darf auch die BILD lesen. Du musst das ja nicht tun. Du kannst auch die FAZ lesen, aber Zeitungen lest ihr beide. Und so kann man auch ein Smartphone haben und darauf Nachrichten lesen und man kann ein Smartphone haben und sich darauf Pornos anschauen – es liegt am Nutzer, nicht am Gerät.

Das Wie und Wo
Ich möchte nicht sagen, dass Smartphones generell nur das soziale Gefüge verbessern, denn das wäre natürlich schlicht falsch. Das Wie und Wo macht den Unterschied.
Es gibt diese bestimmte Art von Menschen, die ihr Smartphone immer in der Hand haben, wenn sie mit dir reden, wenn du dich mit ihnen auf ein Eis triffst, im Club, etc.
Zwar haben sie hier bestimmt soziale Interaktionen, weil Facebook oder die Mail oder was auch immer ihre Aufmerksamkeit will, aber die weitaus wichtigere soziale Interaktion, nämlich die mit mir geht dabei verloren und das darf natürlich nicht sein. Aber, wie oben schon beschrieben: Das entscheidest du. Wenn du dich mit jemandem triffst und dann dein Handy dauernd vibriert und du auch noch darauf reagierst, dann bist du der asoziale, nicht das böse Smarphone. Und dann würde ich mir auch mal überlegen, ob so eine Person überhaupt Interesse an mir hat. Wenn ich mich mit Leuten treffe, habe ich das Smartphone nie in der Hand (außer es bietet sich gerade an). Und wenn ich ein Wochenende lang jemanden besuche, dann reagiere ich im Zweifelsfall auch mal ein Wochenende lang nicht. Wer dennoch die ganze Zeit mit dem Gerät in der Hand rumspielt, ist halt vermutlich nicht an mir interessiert und wenn er es nutzt, um mir dauernd witzige Bilder und Videos zu zeigen, dann hat er wohl sonst auch keinen Gesprächsstoff und da läuft generell etwas schief.

Es muss aber gar nicht sein, in Zweisamkeit oder zu mehreren das Smartphone wegzulegen, es ist eine Art Konsensualität. Haben zum Beispiel beide Spaß daran, sich die ganze Zeit Videos und Bilder zu zeigen – bitteschön, es sollte nur keiner davon genervt sein. Doch auch so findet das Smartphone oft mal seinen Weg in die Runde. Ich habe eine Tabu App. Mit der kann man das Spiel „Tabu“ spielen. Die Karten sind auf den Gerät. Das ist super – spiele ich gerne mit Freunden, würde ohne Smartphone nicht gehen. Das gleiche gilt für einen Würfelbecher als App – kann man gut gebrauchen. Doch nicht nur Ersatz für andere Dinge, liefert das Gerät, auch mit eigenen Apps, kann man Spaß haben – warum nicht zu zweit ein Quiz spielen? Wenn man daran gerade Spaß hat, sehe ich nicht, warum man das nicht tun sollte. Es macht Spaß, man rät zusammen, etc.

Smartphone ist, was du draus machst. Wenn du Leute ignorieren willst, kannst du das mit einem Smartphone bestimmt gut, du kannst aber auch mit einem Smartphone in der Hosentasche, dich voll und ganz auf Personen einlassen. Es ist kein Teufelsgerät, kein Indikator, für asoziales Verhalten, der Besitzer ist es. Du wirst nicht mehr überwacht, als sowieso schon, wenn du es richtig anstellst und diese Arbeit hat man auf einem Rechner ebenso.
Wer sich eines Smartphones verweigert, weil er glaubt, das Gerät sei böse, der tut mir leid. Denn es ist eine Bereicherung – wenn man es vernünftig nutzt. Und vernünftig ist natürlich auch Ansichtssache.

I am not charlie hebdo.

That doesn’t mean I am not shocked. It just means I’m on neither side in this case. Charlie Hebdo always wanted to provoke and they kept doing so when they realized that many people were offended by their cartoons. That is when I think they didn’t just provoke, they primarily offended other people. Of course not only muslim people, not only extremists, but all religious people. And I am not sure what is the sense behind offending religious people of any kind.

The charlie hebdo cartoonists could have the opinion that religious people are stupid, but it is stupid to offend them.

Offending pegida-people in germany as being nazis won’t help them to understand muslimic religion any better.

Offending islamic extremists by making fun of muhammed won’t make them become more liberal.

Offending a fat man won’t make him thinner.

Offending a drug addict won’t make him become clean.

This whole chapter tells me that a lot of people are not sensitive anymore, they don’t even try to understand or give each other a hand. Neither the extremists, nor the cartoonists. They were both driven by hatred and ignorance.

Of course it is a lot worse to kill people than to offend them with cartoons. But nothing of this is good either.

That’s why: I am not charlie hebdo. I am not an extremist.

 

This text is (C) by Rasmus Fuhse and was originally published on Diaspora.